12 Tipps – wenn Babys oder Kleinkinder die Nacht zum Tag machen

Sam ist eher ein Murmeltier. Bereits als schlief er gut. Wenn er aufwachte, stillte ich ihn und er schlief zügig wieder ein. Hatte er mal Probleme mit dem Einschlafen, habe ich mich neben ihn gelegt und so getan als ob ich schon schlafe. Nach einer Weile hat er sich dann einfach an mich gekuschelt und ist auch eingeschlafen, total problemlos.
Jo hingegen hat immer Probleme mit dem Schlafen, egal ob Mittagsschlaf oder in der Nacht. Die ersten zwei Jahre ist er regelmäßig wach geworden (was völlig okay ist und wie bei seinem Bruder), nur nach dem Stillen konnte er einfach nicht mehr einschlafen. Regelmäßig zwischen 23 Uhr und 1 Uhr Nachts ist er wach geworden und konnte dann 1 bis 4 Stunden nicht wieder einschlafen. Im ersten Jahr als ich noch in Elternzeit war und nur ein paar Stunden im Homeoffice gearbeitet habe, war es nicht so schlimm, da konnte ich mit Jo morgens ggf. bis 8 Uhr schlafen. Seit er in Krippe ist und ich wieder arbeite, war das Ergebnis allerdings, dass er müde und ich noch müder war. Mein Tag beginnt um 5 Uhr morgens und gegen 23 Uhr gehe ich in der Regel ins Bett. Nach teilweise nur 1 bis 2 Stunden Schlaf in der Nacht, brauchte ich also dringend meinen Mittagsschlaf, genauso wie Jo und da ging das Drama manchmal einfach weiter. Nur 10 Minuten im Buggy in der Krippe geschlafen und schon konnte er nach dem Mittag nicht einschlafen.
Das alles kommt Euch sehr bekannt vor? Dann kommen hier jetzt meine 12 , was wir alles ausprobiert haben.

Schlaf Kindlein, schlaf doch endlich….

Denkt daran „es ist nur eine Phase“. Die Kinder machen es nicht um einen zu ärgern. Besonders gemein ist es, wenn die Kinder dann noch so süß dabei sind, während man selber leidet, weil man so unglaublich müde ist.

Schlafphasen am Tag überprüfen

Egal ob Euer Baby oder Kind nur ein oder mehrere Schläfchen macht, wichtig ist, wie viel Schlaf insgesamt zusammen kommt. Eine Richtlinie bieten immer einige Tabellen, das sind natürlich nur ein Richtwert. Meine Kinder brauchen mal mehr mal weniger, aber wenn man gerade echt unsicher ist, hilft es einem schon weiter die gesamte Schlafdauer zu überprüfen.

AlterSchlafdauer insgesamt
0 – 3 Monateca. 17 Stunden
3 – 6 Monateca. 14,5 Stunden
6 – 12 Monateca. 14 Stunden
1 Jahrca. 13,5 Stunden
2 Jahreca. 13 Stunden
3 Jahreca. 12,5 Stunden
4 Jahreca. 12 Stunden
5 Jahreca. 11,5 Stunden
6 Jahreca. 11 Stunden

Jo schläft tagsüber gern 2 bis 3 Stunden, daher kann man sich gut überlegen, wie lange er nachts schlafen muss, damit er auf die richtige Stundenzahl kommt. Ist der Mittagsschlaf zu lang, sollte man in Erwägung ziehen diesen durch aufwecken zu verkürzen, ich persönlich mag das nicht sonderlich, aber wir haben das Experiment auch gemacht. Jedesmal wenn Jo eingeschlafen ist und ich ihn in sein Bettchen gelegt habe, habe ich auf die Uhr geguckt und bin genau nach 1 Stunde wieder rein in sein Zimmer um ihn zu wecken. Das Ergebnis war sehr durch wachsen, an manchen Tagen war es ganz gut, an anderen Tagen war er den Rest des Tages quarkig und manchmal habe ich ihn gar nicht wach bekommen. Für die Nacht hatte es auch keinen guten Nebeneffekt, also haben wir das gelassen, Jo darf sich also wieder ausschlafen. Mit einer kleinen Einschränkung. Um 15 Uhr wird er geweckt, wenn er nicht krank ist. Wir haben nämlich festgestellt, dass die Lage wann er schläft bei ihm einen großen Unterschied macht. Schläft er bis 16 Uhr kann er um 20 Uhr noch nicht wieder schlafen.
Dadurch versuchen wir auch in der Woche den Mittagsschlaf von 12 Uhr auf 13 Uhr zu verlagern, damit er dann bis um 15 Uhr schlafen kann. Dadurch ist er richtig müde und schläft Mittags in der Regel gut ein und Abends ist das Einschlafen für ihn auch einfacher, wenn er ab 15 Uhr schon wach ist. Natürlich gibt es auch bei uns diverse Ausnahmen, wann die Ganzen schönen Überlegungen nicht funktioniert haben. Selbst wenn er nur 10 Minuten Vormittags in der Krippe geschlafen hat, wird er erst kurz vor 15 Uhr müde und dann ist es besser wenn man den Mittagsschlaf einfach aussetzt und das zu Bett gehen am Abend einfach vorverlegt. Längere Autofahrten sind auch immer mal wieder problematisch, weil er während der Fahrt ein (kurzes) Nickerchen macht und anschließend die nächsten 2 Stunden meckert und quarkig ist.
Zusammen gefasst:

  • wie viel Schlaf braucht Euer Kind insgesamt (Tabelle als Anhaltspunkt, aber besser an einem guten Tag selber die Schlafenszeit zusammen rechnen)?
  • Wie lange schläft mein Kind Tagsüber?
  • Passen die Zeiten, wann das Kind schläft, zum Rest der Familie?
  • Wie liegen die Schlafenszeiten? (Jo schläft abends besser ein, wenn er mindestens 4 Stunden schon wach ist)

Hunger – Abendessen

Besonders wenn man stillt und das Kind schlecht schläft kommt irgendjemand und gibt einem den Rat „Still doch ab, der wird doch nicht satt“. Meine Hebamme hat immer geraten, austesten, dem Kind ein richtig sättigendes Abendbrot geben (je nach Alter und Vorlieben des Kindes).
Genau das haben wir auch mehrmals ausgetestet, dabei müsste das Kind, wenn es dann am Hunger liegt, anschließend also gut schlafen oder sagen wir besser als sonst. Die 1. Schlafphase müsste sich verlängern bzw. selbst wenn das Kind aufwacht schnell zurück in den Schlaf finden. Merkt man keine Änderung, dann liegt es auch nicht am Hunger. Damit Jo richtig gut Abendbrot isst, haben wir als Nachmittagssnack immer nur Obst angeboten, damit man auch tatsächlich testen kann, ob es an der Sättigung liegt.

Durst

Natürlich kann auch das Trinkverhalten während des Nachmittags und Abendessens ungünstig sein, so dass das Kind Durst hat in der Nacht. Hier bietet sich an bereits Nachmittags immer wieder zu trinken anzubieten. Natürlich ist Wasser auch bei uns immer die erste Wahl, aber wenn ich möchte das ein Kind viel trinkt (Sommer, Krankheit, unruhiger Schlaf), biete ich gerne Tee oder Schorle an. Meine Kinder trinken dann einfach mehr.

Windel

Bei beiden Kindern habe ich versucht, dass nächtliche wickeln möglichst schnell sein zu lassen. Meine Kinder waren danach beide immer wach, auch wenn man es ihnen schön warm gemacht hat mit der Wärmelampe und möglichst ruhig und vorsichtig war. Trotzdem sollte man immer mal wieder prüfen, besonders, wenn die Kinder schlecht schlafen, ob das doch etwas mit der Windel zu tun hat. Ständiger Harndrang oder drückender Stuhlgang kann den Kindern auch den Schlaf rauben.

Einschlafritual

Rituale sind für die meisten Kinder sehr wichtig, so merken sie früh was wann ansteht. Immer das gleiche Lied, wenn aufgeräumt wird. Die gleiche Abfolge zum Zubettgehen, auch wer was macht, „Mama wäscht mich, zieht mir meinen Schlafanzug an, dann darf ich Papa rufen „Papa, fertig“, dann putzt Papa mit mir Zähne“ usw. Wir haben ein Zubettgeh-Ritual und weniger ein Einschlafritual, es folgt ab dem Zeitpunkt das wir hoch gehen zu den Kinderzimmern immer das gleiche, nur mit kleinen Änderungen in der Reihenfolge. Hier sollte etwas gefunden werden, was für die Kinder verlässlich ist und individuell zur Familie passt. Dabei haben wir für uns heraus gefunden, dass es ganz gut ist, wenn beide Eltern einen Part übernehmen, da es zumindest bei uns, dadurch leichter wurde, wenn einer mal nicht da ist. Damit kommen wir zum nächsten Punkt:

Du bist nicht die Mama

oder eben nicht der Papa

Manchmal müssen Eltern einfach mal tauschen. Ich habe immer die Einschlafbegleitung gemacht, bei Sam war das auch kein großes Problem, aber bei Jo blieb einfach zu viel liegen und es fing an mir Probleme zu bereiten. Daher haben wir eingeführt, dass nach dem stillen und kuscheln der Papa übernimmt. Natürlich funktioniert das nicht einfach reibungslos, anfänglich war das ein ganz schöner Brocken für uns alle. Mittlerweile findet Jo es aber genauso gut wie wir, mit Papa kuscheln kann nämlich auch einfach unheimlich schön sein und es muss nicht immer die Mama sein. Manchmal, wenn ich das jetzt wieder übernehme, fragt er, wann der Papa denn nun endlich kommt. Aus irgendwelchen Gründen schläft es sich nämlich hervorragend, wenn der Papa bei einem ist.

Zu warm – zu kalt

Jeder von uns kennt es sicherlich, wenn man Nachts wach wird, weil man schwitzt oder friert. Babys und Kindern geht es da nicht besser, sie können einem das nur nicht so mitteilen. Wenn man den Kindern in den Nacken fasst, sollte dieser warm sein. Gerade bei Wetter Umschwüngen ist das gar nicht so einfach sich zu entscheiden, wie dick der Schlafsack denn noch sein darf. Hierbei gilt nicht euer empfinden, sondern das von eurem Kind. Bei Jo ist es ähnlich wie bei mir, er friert eher, aber Sam habe ich anfangs immer etwas zu warm eingepackt, aber er reagiert eher wie sein Vater und schwitzt schnell. Sobald man das heraus gefunden hat, wird es einfacher. Im Sommer kann es manchmal richtig kompliziert werden. Häufig lassen wir die Jungs dann einfach im Schlafanzug schlafen und sollte in der Nacht einer wach sein guckt er mal wie es den Jungs geht und ggf. decken wir sie dann zu (Schlafsack anziehen). Bei Kindern unter 3 Jahren ist das mit der Decke etwas schwierig, ich übe das mit Decke schlafen immer beim Mittagsschlaf, da bin ich ja wach und kann durch die Babycam sehen wie die Decke liegt.

„Nicht spielen, Mama müde“ – Mama schläft schon

Bei Sam war das ein absoluter Knaller Tipp und hat immer funktioniert. Ich habe einen Schlafsessel in seinem Zimmer als Bett aufgebaut, mich darauf gelegt und schlafend gestellt. Wenn es mir zu bunt wurde habe ich bewusst schläfrig gesagt „Nicht spielen, leg dich hin, Mama müde“. Sam hat sich immer hin gelegt, vielleicht mit meiner Hand gekuschelt und dann ist er eingeschlafen. Bei ihm hat das immer funktioniert. Bei Jo klappt das bei mir nicht, wenn sein Papa das macht schon. Es lohnt sich also das auf jeden Fall auszuprobieren.

Einschlafhilfen

Neben der eben schon erwähnten „Bett an Bett“ – Taktik, ist das Familienbett die beliebteste Variante davon.
Zusätzlich gibt es natürlich noch andere Einschlafhilfen, die man probieren kann und wir haben sie alle ausprobiert, mal war es gut, mal eher nicht:

  • Kuscheltier
    • mit Brummen / Vibration
    • Leuchte Bauch
  • Schnuckeltuch
  • Schnuller
  • Daumen
  • Wasserflasche
  • Musik
    • Spieluhr
    • Mobile
    • mit und ohne Licht-Effekt
  • Einschlaflicht
    • Sternenbilder
    • Tiere
    • Licht An und Aus
    • Wellen (Meer)

Nachmittag – Zeit für Bewegung

Während einer ganz schwierigen Schlafensphase von Jo, habe ich angefangen Nachmittags mit den Kindern immer spazieren oder irgendwo hin zu gehen. Hauptsache raus war meine Devise, weil ich so müde war. Der lustige Nebeneffekt war, dass Jo als ich aufgehört habe ihn immer spazieren zu fahren, sondern er im Zoo, Tierpark, Park, den Weg in den Wald oder Spielplatz selber laufen durfte, Abends besser eingeschlafen ist und weniger Wachphasen hatte. Bei Ausflügen und Unternehmungen streiten sich meine Jungs auch deutlich weniger, was meinen müden Mamanerven richtig gut bekommen ist. Den Buggy nehme ich übrigend immer noch mit, allerdings meistens eher für alle Fälle und damit wir was zu trinken usw. dabei haben, falls wir etwas brauchen. Meiner Erfahrung nach sind die kleinen Beine nämlich immer genau an dem Tag furchtbar müde, wenn man beschlossen hat, das der Buggy nicht mit muss. Auf dem Rückweg gibt es dann natürlich Theater, niemals auf dem Weg zum Spielplatz, immer erst auf dem Rückweg.

Erlebnisse

Natürlich kommt es vor, das Kinder auch einfach mal schlecht schlafen, weil sie etwas erlebt haben, was sie beschäftigt. Träumen schlecht oder wachen immer wieder nach kurzer Zeit auf, ohne das man erkennen kann was los ist. Besonders Kinder unter 3 Jahre können einem einfach noch nicht erklären, was sie beschäftigt und so bleibt einem nur, wenn das Kind allzu unruhig in der Nacht ist, auch so etwas in Betracht zu ziehen. Braucht das Baby oder Kind mehr Ruhe, demnach weniger Ausflüge und dafür Bewegung im Garten? Gibt es aktuell viel Streit mit anderen Kindern z.B. den Geschwistern? Versucht das Kind aktuell intensiv eine Leiter hoch zuklettern, erlebt es immer wieder Rückschläge, der Turm bricht zusammen, das Männchen lässt sich nicht ins Auto setzen? Bei Jo kann man das sehr gut erkennen, wenn ein solches Ereignis seinen Schlaf stört. Wir haben dann immer versucht, dass sein „Problemfeld“ beim letzten Versuch noch einmal positiv (ggf. mit Hilfe) endet.
Noch einmal die Leiter auf den Spielturm hoch, die letzte Sprosse kurz den Po hochschieben.
Seinen Bruder eingebunden, der vorm Schlafengehen noch einmal extra lieb zu ihm war, wenn sie den halben Tag gestritten haben.
Das Männchen noch mit Fahrzeug mit in sein Zimmer nehmen und ein paar Mal rein setzen, dabei vorher auf die Arm Haltung der Männchen achten, damit diese sich auch lieb hinsetzen lassen.

Krankheit – Schmerzen

Dagegen kann man nun nichts machen, ich persönlich kann das auch immer am besten ertragen, wenn meine Kinder aufwachen und nicht mehr schlafen können, weil sie krank sind oder schmerzen haben. Schlafen die Kinder allerdings (in unserem Fall nur Jo) immer schlecht geht das manchmal auch echt unter, weil man nicht gleich daran denkt, dass auch eine Krankheit dahinter stecken könnte. Wir haben bei Jo im Kinderzimmer das Fieberthermometer für die Stirn liegen, so kann man schnell mal nach messen, falls er sehr unruhig ist. Gerade bei Babys und Kleinkindern sollte man immer, wenn die Kinder schlecht schlafen, eine Krankheit in Erwägung ziehen. Es könnte wieder ein Schnupfen mit den entsprechenden Begleiterscheinungen Schmerzen und (oder) Fieber die Schlaflosigkeit verursachen.

Ich hoffe ich konnte Euch ein paar Anregungen geben, was Ihr noch ausprobieren könnt, damit Ihr bald alle besser schlaft.
Schlaft, alle noch recht schön!